Pierre Lemarchand war einer der leitenden Designer bei Cartier Paris in den 1930er, 1940er und 1950er Jahren, einer Zeit, in der einige der technisch anspruchsvollsten und symbolträchtigsten Werke des Hauses entstanden. Zwei Werkkomplexe definieren seine Karriere: die dreidimensionalen Panther-Schmuckstücke, die ab den 1940er Jahren aus den Pariser Werkstätten stammten, und die Vogelbroschen der Kriegsbesatzungszeit, die eine völlig andere Bedeutung haben.
Die Vogelbroschen
Während der deutschen Besetzung von Paris entwarf Lemarchand eine Brosche, die einen Vogel in einem Käfig zeigte. Das Stück wurde 1942 in das Schaufenster von Cartier Paris gestellt. Die Symbolik war für die Pariser lesbar, obwohl die deutschen Besatzer, obwohl offenbar misstrauisch, die Absicht nicht beweisen konnten. Sie wurde verkauft.
Als Paris im August 1944 befreit wurde, schuf Lemarchand ein Gegenstück. Die neue Brosche zeigte einen Vogel, der frei aus dem Käfig war, seine Flügel ausgebreitet, singend. Die Farben waren bewusst gewählt: rote Koralle, weiße Diamanten, blauer Lapislazuli, die Nationalfarben Frankreichs. Die deutschen Besatzer hatten die Symbolik des Käfigvogels offenbar vermutet, aber nie beweisen können, die Siegesversion versuchte nicht, sie zu verbergen. Mit der Zeit wurde das Stück zu einem Symbol der Befreiung und der Rückkehr von Paris zu sich selbst.
Die Panther-Schmuckstücke
Die dreidimensionalen Panther-Broschen und -Armbänder, die Cartier Paris ab den 1940er Jahren produzierte, gehören zu den technisch anspruchsvollsten Goldschmiedearbeiten, die das Unternehmen je ausführte. Die Stücke erforderten, dass der Körper in Abschnitten konstruiert wurde, die jeweils unabhängig voneinander gelenkig waren, damit das Ganze flexibel war und sich bewegen konnte. Die typische Farbgebung bestand aus Diamanten, die über den Körper pavé-gesetzt waren, mit schwarzen Onyx-Flecken für die Zeichnung und farbigen Steinaugen. Lemarchand war der Designer, der am unmittelbarsten dafür verantwortlich war, dem Panther-Motiv seine definitive skulpturale Form zu verleihen.
Er besuchte regelmäßig in den Mittagspausen den Pariser Zoo und skizzierte Tiere zusammen mit Kollegen wie Dennis Gardner, der später bei Cartier London war. Die Zoobesuche waren ein fester Bestandteil des Designprozesses: direkte Beobachtung der Tiere, nicht nur Referenzbücher oder bestehende Motive.
Jeanne Toussaint war während ihrer Jahre als künstlerische Direktorin in Paris eng mit dem Panther-Thema verbunden, und die Beziehung zwischen ihrer Vision und Lemarchands Zeichenkunst prägte die Stücke. Die vollständige Geschichte der Ursprünge des Panther-Motivs wird ausführlich unter Die Inspiration hinter den Cartier Panthern erörtert.
Die Bandbreite zwischen den Vogelbroschen und den Panther-Schmuckstücken (auf der einen Seite nüchterne, symbolische Arbeit, auf der anderen Seite überbordende, skulpturale Extravaganz) vermittelt einen Eindruck davon, was die besten Designer, die Mitte des Jahrhunderts bei Cartier arbeiteten, auszeichnete.
Quellen
- Francesca Cartier Brickell, The Cartiers (Ballantine Books, 2019), Kap. 9 („Die Welt im Krieg, 1939–1944“) und Kap. 10 („Cousins in der Austerität, 1945–1956“)
- Hans Nadelhoffer, Cartier: Außergewöhnliche Juweliere (Thames and Hudson, 1984; überarbeitet 2007), zitiert S. 186, 348 u.a.