Das Pariser Haus ist der ursprüngliche Betrieb: das Geschäft, das Louis-François Cartier 1847 gründete, als er eine kleine Werkstatt in der 29 rue Montorgueil übernahm und sie allmählich in ein angesehenes Juwelierunternehmen verwandelte. Der Pariser Salon zog mehrmals um, während das Geschäft wuchs, und erreichte die 13 rue de la Paix in den letzten Jahren des neunzehnten Jahrhunderts. Diese Adresse wurde zum Zentrum der Cartier-Welt.
Es war Louis Cartier, der älteste der drei Brüder und Enkel des Gründers, der das Pariser Haus in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts zum kreativen Motor des Unternehmens formte. In Zusammenarbeit mit Designern wie Charles Jacqueau und Jeanne Toussaint, Handwerkern wie dem Uhrmacher Maurice Couet und dem Designer Pierre Lemarchand, und gestützt auf Louis Devaux als seinen persönlichen Sekretär und vertrauten Manager, leitete Louis eine anhaltende Periode der Innovation. Der Girlanden-Stil des frühen Jahrhunderts wich der geometrischen Strenge des Art Deco; das Engagement des Unternehmens mit indischen und persischen Bildtraditionen hervorbrachte die Tutti Frutti-Stücke; die Mysteriösen Uhren begründeten Cartiers Ruf in der Horologie; und die vollständig artikulierten dreidimensionalen Panther-Juwelen entstanden in den 1940er und 1950er Jahren in den Pariser Werkstätten als einige der technisch anspruchsvollsten Objekte, die das Unternehmen je hergestellt hat.
Das Pariser Haus diente auch den europäischen Königshäusern und einer breiten internationalen Klientel, und in Paris wurden die Beziehungen des Unternehmens zu Maharadschas und indischen Fürsten entwickelt, obwohl die Indien-Verbindung hauptsächlich von Jacques Cartier aus London vorangetrieben wurde.
Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg blieben die Pariser Geschäftsräume unter eingeschränkten Bedingungen geöffnet. Pierre Lemarchand platzierte 1942 eine Brosche mit einem Vogel im Käfig in der Auslage von Cartier Paris, was von denjenigen, die sie sahen, als Kommentar zur Besatzung verstanden wurde. Die Geschichte wird ausführlich in Cartier Paris und die Brosche mit dem gefangenen Vogel erzählt.
Die formale juristische Einheit für den Pariser Betrieb ist Cartier SA (Société Anonyme).
Quellen
- Francesca Cartier Brickell, The Cartiers (Ballantine Books, 2019)
- Hans Nadelhoffer, Cartier: Außergewöhnliche Juweliere (Thames and Hudson, 1984; revidiert 2007), S. 39, 118 u.a.