Die Zuchtperlenrevolution bezeichnet die kommerzielle Störung, die durch die Einführung von Mikimotos Zuchtperlen verursacht wurde. Diese wurden in den 1920er und 1930er Jahren weithin verfügbar und ließen den Markt für Naturperlen effektiv zusammenbrechen. Die Auswirkungen auf den Luxusschmuckhandel waren tiefgreifend, und für Cartier, dessen Geschäft maßgeblich auf dem Naturperlenhandel aufgebaut war, waren die Folgen weitreichend.
Vor den Zuchtperlen gehörte eine passende Reihe großer Naturperlen zu den wertvollsten Objekten im Schmuckbereich. Pierre Cartier tauschte 1917 bekanntermaßen eine zweireihige Naturperlenkette im Wert von etwa 1 Million US-Dollar gegen die Morton Plant Villa in der 653 Fifth Avenue ein, eine Transaktion, die Cartier seinen New Yorker Hauptsitz verschaffte. Die Halskette war in diesem Tauschgeschäft der wertvollere Vermögenswert. Als dieselben Perlen (mittlerweile neu gefädelt) 1957 bei einer Auktion bei Parke-Bernet auftauchten, sollen sie zwischen 151.000 und 181.000 US-Dollar verkauft worden sein. Das Gebäude hingegen hatte enorm an Wert gewonnen. Die Asymmetrie zwischen den beiden Verläufen zeigt, wie dramatisch die Zuchtperle den Markt neu geschrieben hatte.
Der Mechanismus war unkompliziert: Zuchtperlen konnten in kontrollierten Mengen auf Perlenfarmen produziert werden, wodurch Perlenketten einem weitaus breiteren Markt zugänglich wurden. Sobald das Angebot an optisch vergleichbaren Perlen nicht mehr durch die Seltenheit von Wildexemplaren begrenzt war, fielen die Preise rapide. Berichte beschreiben den Rückgang als etwa 85 %, obwohl die Zahl je nach Qualität und Herkunft variierte.
Für Jacques Cartier, der Jahre investiert hatte, um Beziehungen im Golf-Perlenhandel sowie auf den Perlenmärkten von Ceylon und Indien aufzubauen, war die Veränderung persönlich und kommerziell bedeutsam. Das Unternehmen passte sich an und verlagerte den Schwerpunkt auf farbige Edelsteine, Tutti Frutti-Designs und andere Kategorien, die weniger anfällig für industrielle Reproduktion waren. Dieser Übergang, der parallel zur Großen Depression stattfand, kennzeichnet eine der bedeutendsten Störungen im Luxusschmuckhandel des zwanzigsten Jahrhunderts.
Die vollständige Geschichte der Gebrüder Cartier und des Perlenmarktes wird in The Cartiers and the Pearl Market und in The Cartiers, Kap. 4, erzählt.
Quellen
- Francesca Cartier Brickell, The Cartiers (Ballantine Books, 2019), Kap. 4 („Eastern Missions“) und Kap. 7 („Diamonds and Depression“)