Howard Carters Entdeckung von Tutanchamuns Grab im November 1922 löste eine Welle der Ägyptomanie in den dekorativen Künsten aus. Cartier gehörte zu den aktivsten, die ägyptische Motive in Schmuck und dekorative Objekte übersetzten; Skarabäen, Lotusblumen, Falkenköpfe, geflügelte Sonnenscheiben und hieroglyphische Inschriften erschienen in den folgenden Jahren in Broschen, Armbändern, Puderdosen und kleinen Objekten.
Der ägyptische Revival war eine von mehreren Quelltraditionen, auf die Cartier in den 1920er Jahren zurückgriff, neben persischen, indischen und chinesischen Einflüssen. Was den Ansatz des Hauses auszeichnete, war die Tendenz, diese Quellen zu kombinieren: Ein Stück konnte einen ägyptischen Skarabäus in einer von indischen Edelsteinschleiftraditionen beeinflussten Fassung tragen, eingefasst in den geometrischen Platin- und Diamantenrahmen der aufkommenden Art-Déco-Ästhetik. Das Ergebnis war selten ein reiner Revivalismus, sondern vielmehr eine Synthese, die wie nichts zuvor Geschaffenes aussah.
Cartier London fertigte einige der markantesten ägyptischen Revival-Arbeiten an, was Jacques Cartiers besonderes Interesse an antiken und außereuropäischen Quellen widerspiegelte. Ein Blogbeitrag erkundet eine spezifische Cartier London Revival-Brosche.
Quellen
- Francesca Cartier Brickell, The Cartiers (Ballantine Books, 2019), Kap. 5 („Stones Paris: Frühe 1920er Jahre“) und Kap. 7 („Precious London: Späte 1920er Jahre“)
- Hans Nadelhoffer, Cartier: Jewelers Extraordinary (Thames and Hudson, 1984; überarbeitet 2007), zitiert S. 14, 73 u.a.