Der Name Pavé stammt aus dem Französischen und bedeutet „gepflastert“ (dasselbe Wort wird für eine Kopfsteinpflasterstraße verwendet), und der Vergleich ist passend: Kleine Steine werden so dicht aneinander gesetzt, dass die Oberfläche wie von einer durchgehenden Materialschicht bedeckt erscheint, mit wenig oder gar keinem sichtbaren Metall dazwischen. Die Steine werden durch winzige, gemeinsame Krappen oder kleine, zwischen ihnen erhabene Metallkügelchen gehalten, diese sollen jedoch optisch in den Hintergrund treten.
Technische Anforderungen
Ein gut ausgeführtes Pavé-Feld erfordert eine gleichmäßige Steingröße, geringfügige Abweichungen in Durchmesser oder Tiefe führen dazu, dass die Oberfläche uneben wird und einige Steine höher oder tiefer als ihre Nachbarn liegen. Der Fasser bearbeitet die Oberfläche methodisch, bohrt jedes Fassloch auf die richtige Tiefe, platziert den Stein und hebt die Halteskrappen oder -kügelchen an. Bei Platin sorgt die Härte des Metalls dafür, dass die Krappen auch bei sehr geringer Größe zuverlässig halten, was den Werkstätten von Cartier im frühen 20. Jahrhundert ermöglichte, Pavé-Felder von außergewöhnlicher Feinheit zu realisieren.
Pavé in Cartiers Art-Déco-Arbeiten
In den 1920er und 1930er Jahren tauchten Pavé-Diamantoberflächen häufig in Cartier-Stücken auf und dienten als Folie für andere Designelemente. In Kombination mit Platin-Filigranarbeiten schufen sie Felder von weißem Glanz. In Kombination mit schwarzem Email produzierten sie die grafischen, geometrischen Kontraste, die einen Großteil von Cartiers Art Déco-Produktion prägten. Insbesondere die Kombination aus Pavé-Diamanten und Onyx wurde stark mit Cartiers Arbeiten dieser Epoche verbunden, das Weiß der Diamanten vor dem mattschwarzen Email war eine einfache, kontrastreiche Kombination, die sich in Fotografien und Reproduktionen gut wiedergeben ließ und so zur Etablierung der visuellen Identität des Stils beitrug.
Pavé und das Serti Mystérieux
Die technisch anspruchsvollste Variante der Stein-an-Stein-Fassung, die von Cartier entwickelt wurde, ist das Serti Mystérieux (Mystery Setting), bei dem Steine ohne sichtbare Krappen gefasst werden, stattdessen in einem verborgenen Schienensystem gehalten. Pavé ist die umfassendere Kategorie, das Mystery Setting ist eine spezialisierte Entwicklung, die dasselbe Prinzip des Verbergens der Fassung weiter vorantreibt, als es herkömmliches Millegrain oder Pavé erreicht.
Quellen
- Francesca Cartier Brickell, The Cartiers (Ballantine Books, 2019), Kap. 2 („Louis, 1898–1919“) und Kap. 5 („Stones Paris: Early 1920s“)
- Hans Nadelhoffer, Cartier: Jewelers Extraordinary (Thames and Hudson, 1984, überarbeitet 2007), zitiert S. 144, 147 u. a.