Bergkristall ist eine natürlich vorkommende Form von farblosem, transparentem Quarz. Er ist ein Mineral, kein künstlich hergestelltes Material, und seine optischen Eigenschaften unterscheiden sich von denen von Glas: Er ist härter, weist eine leichte natürliche Doppelbrechung auf, und die Klarheit feiner Exemplare kann außergewöhnlich sein. Cartier verwendete ihn vom frühen zwanzigsten Jahrhundert an ausgiebig, insbesondere bei Objekten, bei denen Transparenz Teil des Designkonzepts war.
Mystery-Uhren
Die technisch anspruchsvollste Anwendung fand sich in der Mystery-Uhr, wo Bergkristall die transparente Kugel oder die Säulen bildete, durch die die Zeiger der Uhr scheinbar ohne sichtbare Verbindung zum Uhrwerk schwebten. Die Illusion hing von der Klarheit des Materials ab: selbst leichte Trübungen oder Einschlüsse hätten den Blick auf den darin verborgenen Mechanismus gelenkt. Das Uhrwerk, das in Zusammenarbeit mit Maurice Couet entworfen wurde und auf der Präzisionsfertigung von Jaeger-LeCoultre basierte, war im Sockel oder im Rahmen verborgen, und der Antrieb wurde durch den Kristall selbst übertragen. Bergkristall war das Material, das die Illusion ermöglichte.
Dekorationsgegenstände und Rahmen
Über die Mystery-Uhren hinaus erschien Bergkristall in Fotorahmen, Schreibtischobjekten, Accessoires für den Schminktisch und Vanity-Cases. In der Art-déco-Periode, mit ihrem Interesse an geometrischer Klarheit und dem Zusammenspiel von opaken und transparenten Oberflächen, bot Bergkristall ein natürliches Material, das mit Lack, Emaille und Halbedelsteinen kombiniert werden konnte, um starke Kontraste in Textur und Lichtdurchlässigkeit zu schaffen.
Bergkristall und Glas
Der Unterschied zwischen Bergkristall und Glas ist für diejenigen von Bedeutung, die mit historischen Stücken arbeiten, da die beiden Materialien ähnlich aussehen, sich aber unter polarisiertem Licht unterschiedlich verhalten und anders auf Schneidwerkzeuge reagieren. Historische Cartier-Objekte verwenden tendenziell Bergkristall, wo das Material integraler Bestandteil der visuellen Wirkung des Designs ist; Glas wurde in anderen Kontexten verwendet. Die Identifizierung des Materials in einem bestimmten Objekt ist Teil der Arbeit, die Spezialisten bei der Feststellung der Art und des Zustands eines Stücks leisten.
Die Hinwendung der Art-déco-Periode zur Transparenz als Designwert und Cartiers besondere Fähigkeit, natürliche Materialien auf unerwartete Weise zu kombinieren, machten Bergkristall zu einer wiederkehrenden Präsenz in den ambitioniertesten Objekten des Hauses von den 1910er bis in die 1930er Jahre.
Quellen
- Francesca Cartier Brickell, The Cartiers (Ballantine Books, 2019), Kap. 5 („Stones Paris: Early 1920s“) und Kap. 8 („Diamonds and Depression: The 1930s“)
- Hans Nadelhoffer, Cartier: Jewelers Extraordinary (Thames and Hudson, 1984; überarbeitet 2007), zitiert S. 184, 190 u.a.
- Wikipedia: Bergkristall